Ausstellungen / Meinungen

Eine Auswahl von Ausstellungen

2017 Lübben, aquamediale 12 „Glaube Liebe Hoffnung“

2015 „Landschaft“, Galerie M, Potsdam

2014 “Fluss des Moments”, Galerie Bernau, Bernau bei Berlin

2014 “face to face”, Galerie Flox, Kirschau

2012 „StadtLandFluss“, Im Friese, Kirschau

2012 „aquamediale 8“, aquamediale, Lübben

2012 „Im Weinberg.Kunst und Natur eine Einheit“, Spektrale 5, Luckau

2011 „Fernweh“, Galerie M, Potsdam

2011 „PANTA RHEI – alles fließt!“, aquamediale® 7, Lübben

2010 „SchauplatzGegenwart“, 4. Spektrale-Luckau, Altes Museum

2010 „WASSERLANDSCHAFTEN“, aquamediale® 6, Lübben

2009 Historische Gewölbegalerie, Berlin-Spandau

2009 „SCHWARZ WEISS“, Galerie Solitaire, Berlin

2008 „Neumitglieder 2007“, Galerie M, Potsdam

2008 „Bau-Kunst-Zelle“, 3. Spektrale, Luckau (Katalog ansehen... PDF-Datei 790 KB)

2008 „Photographie“, Galerie M, Potsdam

2007 „Kunstwettbewerb Deutsche Botschaft Warschau“, Auswärtiges Amt

2006 „Vergängliche Welten“, WasserGalerie, Berliner Wasserbetriebe

2005 „Photo-Stahl-Ausstellung“, GASAG Berlin

2005 „Elbart 2005“, Hamburg

2004 „Photo-Stahl-Ausstellung“, Kunstkreuz, Kunstraum 2

2003 „New York trifft Berlin“, Kultursalon Berliner Kurier

2003 „Rückblicke I“, Kulturhaus Pankow, Berlin

2003 „Rückblick II“, Technisches Museum Mildenberg

2003 „Vergänglichkeit“, Maria Heimsuchung Pankow, Berlin

1997 „Rumänien“, Messeturm Frankfurt/Main

1995 „Vergängliche Welten“, Schloßgalerie Kassel

Presse / Meinungen

Ausstellung Galerie Bernau - Juli 2014

Können Sie Faltboot?

Zur neuen Ausstellung „Fluss des Moments“ in der Galerie Bernau

Sabine Miereke / Kuratorin

Die fragende Überschrift mag provokant sein – aber zumindest Gregor Krampitz, einer der beiden Künstler der neuen Ausstellung in der Galerie Bernau, kann diese Frage reinsten Gewissens bejahen. Und in der Tat erinnern die Objekte, die er im größten Raum der Galerie und deren Innenhof präsentiert, an die Fingerübungen mit jeglichem Papier, die uns alle durch unsere Kindheit begleitet haben. Krampitz, im Grenzgebiet Ostberlins groß geworden, faltete mit wachsender Begeisterung und gab die Ergebnisse seines Tuns im Angesicht der Grenzsoldaten mit einer Mischung aus Spielfreude und kindlicher Subversivität den Wassern der Panke anheim: dahintreibend in ein nahes und doch unerreichbar scheinendes Land, weg von jeglicher Enge. An Bord eine Fülle naiver Fragen und Sehnsüchte an die Fremde. Das prägte und blieb im Gedächtnis.

Viel später, schon erwachsen und künstlerisch unterwegs, besann Krampitz sich auf diese frühen Erfahrungen. Erstmalig verarbeitete er 2010 diese prägenden Erlebnisse, indem er überdimensioniert seine Kindheitsfaltboote in Kunststoff, also auch Zeit überdauern könnend, nachbildete und sie im Spreewald schwimmend und sich im Wasser spiegelnd, dem Publikum präsentierte. Dafür erhielt er seinerzeit den Kunstpreis der 6. Aquamediale. Jene Armada hat über die Jahre Zuwachs erfahren und präsentiert sich nun den Besuchern der Galerie Bernau: der Fußboden des inneren Ausstellungsraumes und das Hofsteinpflaster werden zum neuen „Wasser“, auf dem die Boote ihre Bahn ziehen. Hier greift die künstlerische Kooperation mit Karsten Kelsch, der dafür den gestalterischen Background liefert. Kelschs Material ist Papier. Aus dem lässt er Landschaften entstehen, indem er Lagen gerissener Papierbahnen übereinander schichtet, die an der Unterseite gestaffelt sind und, sich überlagernd, Tiefenwirkung erzeugen. Mit den Struktur gebenden Bemalungen auf Papier auf Papier auf Papier erschafft er fiktionale Raumvorstellungen, die den Betrachter in seine Sicht von Welt im Landschaftsausschnitt mitnehmen. Grafische Zeichen, eruptiv verdichtet, sich wieder auflösend und teilweise kratzend bearbeitet, spannen sich über die oberste Papierlage. Man meint, in eine Berglandschaft involviert zu sein. Oder ist es doch die Anmutung von Wasserfall? Gleichwie - es ist Natur und die kommt gewaltig und auch ein wenig gewalttätig daher. Sinnlich spürbar die darin liegende Kraft. Die Hintergründigkeit von Karsten Kelschs Arbeiten ist dabei durchaus doppeldeutig zu begreifen. Letztlich verführt er uns in eine Raumtiefe, welche auf den ersten Blick nicht aus der Materialität von Papier erklärbar scheint. Das Arbeitsprinzip und die Ästhetik des Künstlers werden zudem in extra zugeordneten kleineren Arbeiten deutlich.

Einmal vom Virus des Schweifens in die Ferne beseelt, wechseln in beider Gestaltung die Motive. Was ursprünglich von Wassern bewegt dahin strebt, schwingt sich im Eingangsbereich der Galerie nun als Krampitz‘ Flugobjekt himmelwärts und wird dortselbst durch Kelschs Papierrelief im Hintergrund geortet und befriedet. Immer aber dieses Hinaus und Hinfort; die Haltung des Erprobens und Auskostens von Grenzen als ein Vehikel, aus dem Kunst erwachsen kann. Später Tribut an Kindheitserfahrung und als deren Bleibendes ein Ausbrechen aus dem Kreisen um Alltäglichkeit.

Ungewöhnlich, und damit ebenso fernab von Gewohntem, präsentieren beide Künstler im Ateliergebäude der Galerie eine Schatten-Klang-Installation. Gabeln jeglicher Provenienz, die über die Zeit des Nichtgebrauchs Patina angesetzt haben, hängen von der Raumdecke herab als vielteiliges, scheinbar schwebendes Objekt und werfen im wechselnden Lichteinfall ihre Schatten an die Wand, so, wie sich vor Jahren Krampitz‘ Boote im Spreewaldwasser spiegelten. Anderer Ort, anderes Material, gleiches Prinzip. Geraten diese metallenen, patinierten Alltagsgegenstände im Luftzug der geöffneten Tür in Schwingung, kommen mit ihnen auch ihre Schattenbilder in Bewegung. Die Lebendigkeit im Raum betrifft das reale Objekt wie auch sein Projektionsbild. Ganz nebenher kann es je nach Heftigkeit des Luftzuges zum Klingen und Bimmeln im gegenseitigen Anstoßen der aufgehängten Teile kommen. Berührt sein entsteht durch Berührung. Aber ist es so nicht überhaupt?

Zur Vernissage lädt die Galerie am 11. Juli ab 19 Uhr. Die Ausstellung ist bis zum 23. August zu den offiziellen Öffnungszeiten zu sehen. Über Sonderveranstaltungen wird rechtzeitig per Pressemitteilung informiert.

Öffnungszeiten: Die. – Fr.: 10-18 Uhr, Sa.: 10-16 Uhr

Artikel ansehen... Märkische Oderzeitung 15.7.2014 Ausstellung Galerie Bernau

Märkische Oderzeitung 15.7.2014 (Ausstellung Galerie Bernau, Bernau bei Berlin)

Realität und Fantasie

Bernau (MOZ) Den Veranstaltern der Galerie Bernau ist mit der Vernissage am Freitag zur Ausstellung "Fluss des Moments" ein in vieler Hinsicht besonderer Wurf gelungen. Wenn der Titel der Ausstellung auch mehr als rätselhaft erscheint, gibt die Schau dann aber viele Antworten.

Installationen mit weißen Schiffen und Fliegern sind zu sehen und dominieren die Schau. "Sie sollen Träume nach außen tragen", sagt Gregor Krampitz zu seinen Rauminstallationen. Inspiriert dazu wurde er in seiner Kindheit, in der er in Berlin-Pankow wohnte und weiße Schiffchen mit darauf geschriebenen Wünschen in Richtung Westen schickte. Kombiniert sind die Schiffe von Krampitz mit den Bildern von Karsten Kelsch, der mit besonderer Mischtechnik und mit übereinander geschichteten abgerissenen Papierbahnen arbeitet. Mit den Werken "Einfahrt" oder "Flüchtlinge" bekommt die Bootsthematik einen unerwartet ernsten Hintergrund. Sehenswert auch die Arbeit "Der Riss", in der Kelsch unzählige Papierstreifen übereinander geschichtet hat.

"Diese Kreativität! Es ist so unglaublich, wie die abgerissenen Papierbahnen in die Komposition eingearbeitet wurden", war Thomas Uhlich, ein Besucher der Vernissage aus Berlin begeistert. Es sei "verrückt" und "phänomenal".

Maßgeblich für die Entscheidung des Beirats zu Gunsten der Arbeiten von Krampitz und Kelsch für die neue Ausstellung in der Galerie Bernau war nach Worten der Kuratorin Sabine Miereke das Konzept der Künstler, das sehr ausgereift darstellt, "wie die Räume zu bespielen sind". Dazu kommt, dass es in die Thematik des Jahres "Skulptur und Rauminstallation" passe.

Die für die Vernissage ausgewählte Musik vervollständigte diesen ganz besonderen Abend. Mit einem überirdisch erscheinen Stimmvolumen und einem Klang, der am ehesten an einen enorm langgezogenen orientalischen Gong erinnerte, begeisterte Simon Jakob Drees die Besucher. Untermalt wurde seine Vokalkunst von Ravi Srinivasan, der die dazu passende Schlagzeugbegleitung meisterlich beherrschte.

Brigitte Horn (MOZ, RED. Bernau)

Artikel ansehen... aquamediale 8, Lausitzer Rundschau - 20.06.2012

Wassermolekül auf der Liebesinsel
Aquamediale in Lübben ist nach Vandalismus wieder komplett / Kurator und Künstler hoffen auf Gutmachung

LÜBBEN - Zerstörung noch vor der Eröffnung: Das Kunstwerk von Gregor Krampitz hatte für Schlagzeilen gesorgt. Sein Beitrag zum internationalen Freiluft-Kunstfest Aquamediale an Lübbens Schloss- und Liebesinsel war am Morgen der Vernissage zerstört worden. Jetzt steht es wieder, sicherheitshalber an neuem Ort.

Die Aquamediale ist wieder komplett. Gregor Krampitz hat seine Arbeit repariert und wieder aufgebaut – allerdings an einem anderen Standort. Das überdimensionale Wassermolekül des Künstlers aus Berlin lag ursprünglich auf einer Wiese am Rande der Hauptspree am Wasserwanderrastplatz in Lübben. Jetzt ist es ein paar Hundert Meter weiter auf der Liebesinsel zu sehen. "Der Standort ist eine Lösung, allerdings nicht optimal", sagt Christian Gracza. "Mit dem Kunstwerk wurde auch das Konzept des Künstlers zerstört." Wie der Kurator der internationalen Kunstausstellung weiter erklärt, brauche Krampitz' Werk Fläche und Licht sowie den richtigen Betrachtungswinkel, um optimal zu wirken. Es sei direkt in den ursprünglichen Standort hineingebaut worden. "Ich hatte große Lust, das Kunstwerk am gleichen Standort wieder aufbauen zu lassen", erzählt Gracza. "Auch, weil ich nicht vor Vandalismus kapitulieren wollte. Bei einer erneuten Zerstörung allerdings hätte es wohl große Diskussionen gegeben."

Der jetzige Standort Liebesinsel sei ein Kompromiss, mit dem sich der Künstler durchaus anfreunden kann. "Ja, doch", sagte Gregor Krampitz nach längerer Betrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln, "ich bin ganz zufrieden. Die Spiegelung des Wassermoleküls ist fast noch besser zu sehen, als am Wasserwanderrastplatz." Dafür muss der Betrachter jedoch unterhalb der Brücke und damit nur wenig oberhalb des Wassers auf das Kunstwerk blicken. Dass das in Blau getauchte Wassermolekül zerstört wurde, hat den Künstler "natürlich geärgert. Doch wie Bürger der Stadt mit dieser Zerstörung umgehen, macht mich optimistisch und zeigt mir, dass Lübben die Aquamediale unbedingt will." Deshalb sei er auch nicht verbittert. Er und der Kurator würden den Tätern sogar die Hand reichen, mit ihnen ins Gespräch kommen wollen, vielleicht sogar die Strafanzeige zurückziehen. "Voraussetzung ist", sagt Christian Gracza, "dass sie auf uns zukommen und ein Angebot machen, wie sie den Schaden wieder gutmachen wollen." Gregor Krampitz kann sich vorstellen, "dass die Täter etwa beim Abbau des Kunstwerks helfen".

(Von Andreas Staindl, Lausitzer Rundschau - 20.06.2012)

Artikel ansehen... aquamediale 8, Märkische Allgemeine - 9.06.2012

Wasser, bitte !
Die internationale Ausstellung Aquamediale wird heute in Lübben eröffnet / Elf
Künstler zeigen in und an den Kanälen ihre Werke

LÜBBEN - Ein Mönch steht in weißer Kutte, barfuß, in einer dunklen Hütte. Den Kopf reckt er nach oben. Über ihm ragt ein Rohr in den Raum, aus dem Wasser tropft. Sandro Porcu, der aus Sizilien stammt und in Kirschau (Sachsen) wohnt, hat die lebensgroße Figur geschaffen. „Ich setze mich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Wasser auseinander“, sagte er bei der Pressekonferenz per Kahn am Donnerstagabend. „Um Wasser werden in der Zukunft Kriege geführt“, ist er der Auffassung.
Sandro Porcus Mönch ruft in dieser Gegend – prall gefüllt mit Wasser – Verwirrung hervor, denn er scheint stumm zu
schreien: Durst! Wasser, so der Künstler, sei ein Element, das für die menschliche Existenz in jeglicher Hinsicht eine wichtige Rolle spielt.

Das Thema Wasser nimmt bei der Aquamediale selbstredend einen zentralen Platz ein. „Deswegen haben wir in diesem Jahr erstmals auch kein Motto mehr für die Ausstellung benannt“, erklärte Kurator Christian Gracza. Die Idee der Aquamediale sei stark genug. Christian Gracza verwies auch auf die Einmaligkeit einer solchen Ausstellung in ganz Europa.

Justyna Koeke – sie lebt und arbeitet in Krakau und Ludwigsburg – setzt sich mit den neuen Heiligtümern künstlerisch auseinander. Sie bedient sich dabei sogenannter Bildstöcke. Wer ihr Heimatland Polen schon einmal besucht hat, kennt diese kleinen Schreine am Wegesrand. Sie erinnern an Häuschen mit Heiligen darin. Bei Justyna Koeke sind in den Bildaltären nun aber nicht nur Maria und Jesus zu finden, sondern Harry Potter, ein Hamburger und der berühmte angebissene Apfel, der für eine Computerfirma steht. Das seien die Götzen der Gegenwart. „Maria und Joseph sind einfach nicht mehr so aktuell“, kommentierte die Künstlerin ihre Idee. Im katholischen Polen – und anderen sehr religiös geprägten Ländern – würde diese als sehr provokant gelten.

Ein Akustik-Kunstwerk wurde von Marek Brandt – er lebt in Leipzig – geschaffen. Er nennt es „Schleusen“. Während der Besucher mit dem Kahn auf dem Spreewald-Kanal unterwegs ist, umströmen ihn plötzlich Unterwassergeräusche. Die Klanginstallation kann von den Besuchern der Ausstellung selbst beeinflusst werden, indem sie schnell oder langsam fahren, anhalten oder verweilen.

Ria de Breejen – sie stammt aus den Niederlanden, lebt aber in Berlin – erschuf die Wasserorgeln. Durch originale Orgelpfeifen
wird Wasser gepumpt, das sich dann wieder in den Spreearm ergießt. Das Zusammenspiel des Wassers mit Licht und Musik soll die Installation zur Vernissage multimedial in Szene setzen. Aus Orgeltönen, die im Tonstudio aufgenommen wurden, wird eine speziell für die Eröffnung komponierte Melodie erklingen.

„Island“ heißt das Werk des in Berlin lebenden Briten Carlo Crovato. Er „pflanzte“ elf elektrische Autoantennen auf die Insel zwischen den Kanälen und setzt sich mit deren Hilfe zu Bedarf und Verfügbarkeit von Energie auseinander.
Carsten Hensel und Jörg Lange – beide leben und arbeiten in der Hauptstadt – lassen ein Nebelhorn erklingen. Üblicherweise, so die Künstler, warne das Horn bei schlechter Sicht vor dem nahenden Land. In ihrer Installation aber soll es auf den aktuellen Umgang mit Wasser hinweisen.

Gregor Krampitz – ebenfalls Wahl-Berliner – zeigt „Quellwasser“ aus der Reihe Zukunftsaussichten. Die Skulptur stellt die chemische Verbindung für Wasser dar. Sie liegt am Ufer, ragt aber übers Wasser. Der Künstler möchte mit ihr auf den Umgang mit Quellwasser zwischen Lübben und Luckau aufmerksam machen. Verschmutzt sei es unbrauchbar geworden. Dafür trage der Mensch die Verantwortung.

Peter Lowas, auch er lebt in Berlin, setzt sich mit dem Thema Europa auseinander. Er stellt die Frage, wer eigentlich dazu gehört: Ist Europa die Europäische Union (EU) oder ist Europa ein Kontinent mit allen seinen Ländern. Zu sehen sind 18 Fahnen jener Europa-Länder, die nicht zur EU gehören. Aus ihren Nationalhymnen zusammengeschnitten, erklingt eine fast dreiminütige Komposition.

Angela Thiesz, sie lebt und arbeitet in Pécs (Ungarn), hat sich „Kunstproduktion“ ausgedacht. Das findet am Rande mit Kinder und Jugendlichen statt, die unter ihrer Leitung während eines Workshops Kunst produzieren.
Valentina Torrado – geboren in Uruguay, lebt in Berlin – möchte mit ihrer Installation eine Störung der idyllischen Perspektive der Besucher erreichen, in dem der Kahnverkehr kurz unterbrochen wird. Zwei Prismen mit einem Neigungswinkel von 95 Grad werden dabei zu beiden Ufern der Spree aufgestellt und mit rot eingefärbten Spiegelplatten versehen, wodurch die Perspektive der Besucher auf die Landschaft verzerrt wird. Der geradlinige Verlauf der Strömung bricht aufgrund des Neigungswinkels. Verstärkt wird die Wirkung noch durch die Spiegelung im Wasser.

Bei der Vernissage, die heute um 20 Uhr beginnt – werden die Kunstwerke durch minimalistische und sphärische
Instrumentalstücke der Band „Cryptic Scenery“ begleitet. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, so Kurator Christian Gracza, stehen dieses Mal die einzelnen Kunstobjekte und Installationen ganz für sich allein. So könne sich der Besucher der Ausstellung voll und ganz auf diese konzentrieren, sie auf sich wirken lassen und sich mit ihnen auseinandersetzen – während der etwa zweistündigen Kahnfahrt und hoffentlich lange darüber hinaus.

(Von Andrea Müller,  Märkische Allgemeine - 9.06.2012)

Artikel lesen... Spektrale 5, Kunst-Formen, Märkische Allgemeine - 15.05.2012

Märkische Allgemeine, 15.05.2012

Kunst-Formen
Skulpturen, Bilder, Installationen: Ausstellung „Spektrale“ in Luckau eröffnet

LUCKAU - Welche Geräusche machen abschmelzende Eisberge? Kann ein Kartoffelfeld in einem dunklen Kellergewölbe erblühen? Und was verbindet das Holz einer alten Eiche mit farbenfrohen Filmstreifen? Auf diese und viele andere Fragen versuchen seit Samstag in Luckau Künstler aus dem Land Brandenburg mit ungewöhnlichen Skulpturen, Objekten und Installationen eine Antwort zu geben.

Für die Kunstausstellung „Spektrale“, die der Landkreis zum fünften Mal veranstaltet, reichten 20 Künstler ihre Konzepte zum diesjährigen Thema „Im Weinberg. Kunst und Natur eine Einheit?“ ein. Kuratorin Daniela Dietsche und eine Jury wählten die besten 16 aus. Die Ergebnisse sind jetzt auf dem Gelände des traditionsreichen Schlossbergs in Luckau zu sehen, auf dem seit der Landesgartenschau im Jahre 2000 Weinreben gedeihen.

Der Rahmen wird bestimmt durch alte Kellergewölbe und ein blütenreiches Gartengelände. Die ausgestellten Kunstwerke würden auf vielfältige Weise das Wechselspiel von Mensch und Natur thematisieren und sich mit den Folgen des menschlichen Eingriffes in die Natur sowie dem Einsatz für die Erhaltung der Lebensräume auseinandersetzen, sagte Kulturdezernent Carsten Saß bei der Eröffnung.

Das kann schwere Kost sein, wie die mit Abholz- und Baugeräuschen einhergehende Bild-Licht-Ton-Installation „Abholzen-Abbauen-Abtauen“ von Karsten Kelsch. Andere Künstler näherten sich dem Thema auf spielerisch-leichte, humorvolle Weise an, wie der diesjährige Preisträger des Kunstpreises „Spektra“, Heinz Bert Dreckmann. Er formte aus sieben grünen Stockschirmen Kugeln von je 1,30 Meter Durchmesser und stapelte diese über- und nebeneinander in ein Gewölbe.

Form und Fabigkeit sollen an Trauben oder Beeren und auf die Nutzung als Weinkeller erinnern. „In meinen Arbeiten geht es um eine neue Wahrnehmung der Oberflächen, Farben und Formen von Alltagsgegenständen“, sagte der Falkenseer, der auf die Schönheit von einfachen Dingen aufmerksam machen möchte.

Er konnte sich über eine von Beate Bolender kreierte Glas-Skulptur „Spektra“ und 3000 Euro Preisgeld freuen. Der Luckauer Schlossberg, Standort der einstigen slawischen Burg im Herzen der Stadt, ist bis zum 2. September Schauplatz der „Spektrale“-Kunst. „Die Künstler durften keine Nägel in die Gewölbewände einbringen. Eine bis zu 90 Prozent hohe Luftfeuchtigkeit in den Kellern ließ auch keine Papierarbeiten oder Gemälde zu“, erklärte Kuratorin und Geschäftsführerin des Verbandes der Brandenburger Künstler, Daniela Dietsche.

Das auffälligste Werk ist wohl die von Gregor Krampitz geschaffene Skulptur aus rotem Polyesterharz mit dem Titel „Zerborstendes Wasser“ auf leuchtend grünem Rasen. Sie soll noch eine Ergänzung in Lübben finden, wo blau gefasste „Intakte“ Wassermoleküle zu sehen sind. „Ich möchte auf den sorglosen Umgang mit dem Lebensmittel Wasser aufmerksam machen“, sagte Krampitz.

Für die „Spektrale“ stand in diesem Jahr ein Budget in Höhe von 30 000 Euro aus Mitteln des Landkreises, der Stadt Luckau sowie von Sponsoren wie die Mittelbrandenburgische Sparkasse und Unternehmen der Region zur Verfügung.

Besucher können ihre Lieblingswerke auswählen. Am Ende der Schau, die freitags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr zugänglich ist, wird ein Publikumspreis verliehen. (Von Uta Schmidt)

Artikel ansehen... Ausstellung „Fernweh“ Märkische Allgemeine - 13.08.2011

Märkische Allgemeine 13.8.2011

Schiffchen und Papierflieger Ausstellung Fernweh mit Karsten Kelsch und Gregor Krampitz in der Galerie „M“

INNENSTADT Leicht ist die künstlerische Kost, die in der Sommerausstellung der Produzentengalerie „M“ des Künstlerverbandes am Luisenforum geboten wird. Eine Installation von Karsten Kelsch und Gregor Krampitz fordert auf zu einer sommerlichen Reise in die fern-nahe Welt der Kunst mit ihren assoziativen Angeboten.

Gegenständliches und Ungegenständliches hat sich gefunden. Auf weißen, raumhohen Papierbahnen entfalten sich zwei schwarz-weiße Pinselarbeiten, die aus Absicht und Zufall in der Flächenfüllung ihre Wirkung beziehen. Das eine, vor allem aus vertikal gesetzten Strukturen und Flächen geschaffene Blatt lässt die Vorstellung eines Wasserfalles entstehen, ergänzt durch drei davor, leicht erhöht gesetzte, stark vergrößerte Papierschiffchen aus starkem Karton. Die mehr aus horizontal angelegten schwarzen Linien und Flächen auf einem zweiten, doppelbahnigen Blatt meinen unverkennbar ein Bergpanorama. Der Blick darauf wird immer wieder unterbrochen durch davor kreuz und quer dahinschwebende, überdimensionierte Papierflieger, wie sie in Originalgrösse mal schnell aus einer herausgerissenen Schulheftseite gefaltet werden. Fernweh begrenzt sich hier nicht nur auf Landschaften, sondern auf die Welten der Kindheit mit der Begeisterung des Spielens. Doch die ins Überdimensionale gesteigerten Flugobjekte lassen nicht nur friedliche Erinnerungen aufkommen – abgesehen davon, dass ihre Flugrouten nichts Gutes verheißen.

Die beiden großen Grafiken sind der künstlerische Extrakt dieser Ausstellung. Es sind Arbeiten von Karsten Kelsch, geboren 1962 in Hoyerswerda, als dort ringsum der Braunkohlentagebau die Lausitzer Heidelandschaft unter den Baggern verschwinden ließ und Plattenbauten das kleine, verschlafene Städtchen umzingelten. Verständlich, dass Kelsch seine Berufsausbildung im Bergbau absolvierte. Erst als 35-Jähriger begann er ein Malereistudium, ergänzt durch eine Ausbildung in Druckgrafik und Multimedia-Design. Gregor Krampitz, geboren 1966 in Parchim und Schöpfer der Flieger und Schiffchen, hat sich seine Sporen als Fotograf verdient, ausgebildet kurz vor der Wende im Berliner Verlag. Auch er begann Anfang der 1990er Jahre noch ein Kunststudium. (aneu)

Artikel ansehen... Ausstellung „Fernweh“ (Potsdamer Neueste Nachrichten - 28.07.2011)

Mit Papierboten in den Appalachen

von Richard Rabensaat

Und im Hintergrund fließt ein Wasserfall. Die Papierboote von Gregor Krampitz vor der vagen Landschaftsmalerei von Karsten Kelsch. Foto: Manfred Thomas

Karsten Kelsch und Gregor Krampitz zeigen eine Panorama-Installation in der Produzentengalerie M

Auf dem Boden der Produzentengalerie des Brandenburgischen Verbandes Bildender Künstler (BVBK) schwimmt eine Mini-Armada aus drei großen Papierbooten. Unter der Decke hängt ein Geschwader von Flugzeugen, ebenfalls aus Papier gefaltet. Im Hintergrund, locker mit schwarzer Farbe auf weißem Untergrund gemalt, rauscht ein Wasserfall in die Tiefe, auf der anderen Seite erhebt sich ein hügeliges Bergpanorama. „Fernweh“, so der Ausstellungstitel, macht sich breit.

Die Neugier auf andere Horizonte und Perspektiven beschäftigt die Kunst bereits seit Jahrhunderten. Schon Caspar David Friedrichs „Wanderer“ zog es in die nebelverhangene Ferne. „Unterwegs in den Appalachen in Tennessee, mit einer anschließenden Fahrt durch das Mississippi-Delta bei New Orleans“ könnten die Künstler gemäß dem Ausstellungstext gewesen sein, oder im Himalaya, oder in den Tagebaulandschaften der Lausitz, oder mit dem Kanu im Spreewald. Im Sommer, in den Ferien, locken ferne Länder und der Wunsch, neue Lebenswelten zu entdecken. Das endet zwar im real existierenden Urlaubstourismus regelmäßig in einer Bettenburg an der restlos zubetonierten, kahlgebrannten, mediterranen Felsküste. Der leise Verdacht, dass da noch etwas anderes jenseits der katalogisierten Tourismusindustrie sein könnte, aber bleibt.

Die Faltobjekte von Gregor Krampitz sind eine Neuerung im Werk des 1966 bei Parchim geborenen Künstlers, der zumeist Fotoarbeiten auf Stahlplatten fertigt. Ihn interessiere das Zusammentreffen von einem Foto, das ja einen Moment für die Ewigkeit festhalten solle, und der Vergänglichkeit des Stahls, der zwar stabil, letztlich aber doch einer ständigen Erosion ausgesetzt sei, erklärt der Künstler. Die Objekte in der Galerie sind zwar aus einem festen Papier gefertigt, aber sicher ebenfalls vergänglich. Als Teilnehmer der „Aquamediale“ lässt Krampitz derzeit eine Flotte von schematisierten, kleinen Häuschen durch die Wasserlandschaft bei Lübben schwimmen. Es sind Zeichen, vielleicht für eine Realität, in der sich viele gewohnte Lebenswelten und Verhaltensmuster ebenfalls auf ein Zeichen reduzieren und ins Schwimmen geraten. Ihre Qualität besteht darin, dem Betrachter einen Spielraum für die Ausdeutung des Bezeichneten zu eröffnen. Heim und Familie, Fernweh, was bedeutet das heute?

Auch die Papierflieger an der Decke der Galerie sind nicht eindeutig festgelegt. Zunächst einmal erscheinen sie als unschuldige Reminiszenzen an die Kindheit, an den Papierflieger, der die Lehrerin im Rücken traf, während sie an der Tafel biologische Formeln erklärte. Allerdings ähneln die Modelle auch den Düsenjägern, mit denen derzeit Soldaten über Afghanistan rauschen und dort ihre tödliche Fracht abwerfen. Das Bergpanorama, vor dem die gefalteten Objekte schweben, könnte ebenso gut ein Urstromtal wie eine Landschaft Afghanistans sein, schließlich ist das Land durch seine großen Bergmassive geprägt. Das vermeintlich unschuldige Thema des Fernwehs bekommt so einen bitteren Beigeschmack.

Der Vieldeutigkeit der Inszenierung entsprechen die Papierbilder von Karsten Kelsch. Locker, mit schwarzem Strich auf große Bahnen mehr gezeichnet als gemalt, lassen sie zwar das gemeinte Motiv erkennen, bleiben aber so weit im Vagen, dass kein illusionistisches Panorama entsteht. Keine bestimmte Bergregion ist gemeint, sondern eine Chiffre für die Bergregion, die vielleicht durch Träume und Erinnerungen spukt.

Der lockere Strich der großen Blätter entspricht dem generell freien Duktus, den Kelsch auch bei seinen Drucken, die sich häufig dem Thema des menschlichen, und daher wie üblich in Malerkreisen dem weiblichen Akt widmen. Die gefalteten Schiffe zusammen mit den frei gehaltenen Landschaftsmalereien ergeben eine hübsche, gut in den Raum gesetzte Installation. Der Betrachter kann seine Gedanken zum Thema frei schweifen lassen. Das ersetzt zwar keine Fernreise, ermöglicht aber immerhin einen kurzen Gedankenflug.

Noch bis zum 21. August in der Produzentengalerie M des BVBK im Luisenforum (Hermann-Elflein-Straße 18), mittwochs bis freitags 11-17 Uhr, samstags und sonntags 11-18 Uhr

Erschienen am 28.07.2011 auf Seite 26

Artikel lesen... „aquamediale 6” (Lausitzer Rundschau 10.06.2010)

Gregor Krampitz hat Fernweh

LÜBBEN (Lausitzer Rundschau, 10.06.2010)
Ein Schiff wird kommen… oder vielmehr: gleich mehrere. Die Schiffchen, die viele in etwas langweiligeren Schulstunden aus Papier selbst gebastelt haben und die auch als Hüte bei Malerarbeiten gute Dienste leisten, kommen durch Gregor Krampitz zu neuen Ehren. Für die sechste Aquamediale hat der Berliner Künstler daraus ein Sinnbild für das Fernweh gemacht.

Aus Sperrholz, Glasfasermatten, Polyesterharz und Lackfarbe gestaltet er seine Schiffe, die an verschiedenen Orten der Spree vor Anker gehen oder einfach treiben werden.

Sie stehen für die Sehnsucht des Berliners, in der geteilten Stadt aufgewachsen, der als Junge so gern zu neuen Ufern aufgebrochen wäre. Seine ersten gebastelten Schiffchen legten von den Ufern der Panke aus ab. Ihre größeren Schwestern werden sich zu einer Reihe auf der Spree zusammenschließen. Die Aquamediale-Jury war begeistert und machte Krampitz zu einem der Preisträger der diesjährigen Aquamediale.